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In Deutschland mehr Waldschutz, in den USA mehr Ölbohrungen

Der deutsche Hambacher Wald wird vor Kohleabbau geschützt. Gleichzeitig zerstören die USA unter Donald Trump immer mehr Naturschutzgebiete für Öl, Gas und private Interessen.

Der 12.000 Jahre alte Hambacher Wald hat viel erlebt, doch zum Schauplatz für den Kampf zwischen Natur- und Klimaschutz und Kohlebergbau wurde er erst in den letzten Jahrzehnten.

Anwohner und Umweltschützer kämpfen seit 50 Jahren dafür, dass das Waldgebiet zwischen den Städten Aachen und Köln im Westen Deutschlands nicht dem Braunkohletagebau zum Opfer fällt.

Zeitweise besetzten Demonstranten das Gebiet, um den Wald vor den Kettensägen zu schützen.

Inzwischen sind nur noch etwa 14 Prozent des ursprünglichen Walds intakt. Direkt daneben liegt die gigantische Hambacher Tagebaugrube, die über 400 Meter tief ist und etwa 85 Quadratkilometer umfasst, eine Fläche von mehr als 12.000 Fußballfeldern.

Im Juni gab die Kommunalverwaltung bekannt, dass das verbleibende Waldgebiet dauerhaft geschützt wird, damit sich Tiere und Pflanzen sich wieder ungestört entwickeln können.

"Die Klimabewegung hat den Kampf gewonnen", erklärt Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem deutschen Zweig der Umweltorganisation Friends of the Earth.

Er hat sich jahrzehntelang für den Hambacher Wald eingesetzt. Ähnliche Konflikte zwischen Regierungen, privaten Bauträgern und Bürgern spielen sich weltweit ab – auch in den USA.

Dort werden derzeit öffentliche Flächen in beispiellosem Ausmaß für die Öl- und Gasförderung geöffnet.

"Wir scheinen uns mit großen Schritten in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen", so Lincoln Larson gegenüber der DW. Der Biologe forscht an der North Carolina State University in den USA zum Verhältnis zwischen Menschen, Natur und Ressourcenmanagement.

Wie Hambach zum Schauplatz des Konflikts wurde

Der Streit um den Hambacher Wald begann Mitte der 1970er Jahre, als der deutsche Energiekonzern RWE das Genehmigungsverfahren für den Braunkohletagebau in der Nähe des Waldes einleitete.

Um Platz für den Braunkohletagebau zu schaffen, sollten mehr als 5200 Menschen aus den umliegenden Dörfern umgesiedelt werden. Das führte schon früh zu lokalem Widerstand wegen Landrechten.

In den folgenden Jahren setzten sich Umweltschützer für den Hambacher Wald und die Anwohner ein.

Ab 2012 errichteten Demonstranten wiederholt Baumhäuser und Camps im Wald, um die Abholzung des "Hambi" zu verhindern. Sie wurden von den Behörden immer wieder vertrieben.

Der Konflikt erreichte im Oktober 2018 einen Wendepunkt, als mehr als 50.000 Demonstranten in den Wald strömten.

Im selben Monat erwirkte die Umweltschutzorganisation BUND eine gerichtliche Verfügung, mit der die Rodung gestoppt wurde.

Im folgenden Jahr empfahl die deutsche Kohlekommission, die sich aus Energieunternehmen, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und Bürgern zusammensetzt, den Schutz des Hambacher Waldes und den Beginn des Kohleausstiegs in Deutschland bis zum Jahr 2038.

Die Braunkohleförderung aus dem Hambacher Tagebau soll bis 2029 eingestellt werden. Und erst kürzlich haben die Regierung und RWE ihre Vereinbarung zum Schutz der verbleibenden Waldflächen beschlossen.

Öffentliche Flächen in den USA sind bedroht

In den USA sind solche Auseinandersetzungen um öffentliches Land an der Tagesordnung, vom Kupfer-Nickel-Bergbau in den Boundary Waters in Minnesota bis hin zu Öl- und Gasbohrungen in New Mexico in der Nähe der heiligen Stätten der Pueblo- und Navajo-Indianer.

Land in öffentlichem Besitz macht etwa 30 Prozent der US-Fläche aus, rund 260 Millionen Hektar.

Sie reichen von den beliebtesten Nationalparks der USA - wie Yosemite und Yellowstone - bis hin zu weniger bekannten Wäldern und Naturschutzgebieten.

Sie fielen durch den "Antiquities Act" von 1906 unter die Kontrolle der Bundesregierung. Damit kann der US-Präsident Gebiete unter Schutz stellen.

Doch US-Präsident Donald Trump versucht, dieses Erbe rückgängig zu machen, indem er den Bestand an staatlichen Flächen verkleinert. Eine wachsende Zahl bisher geschützer Gebiete wird damit für Bohrungen, Bergbau und private Erschließung geöffnet.

"Seit 100 Jahren haben die Präsidenten diese Befugnis ausschließlich dazu genutzt, geschützte Gebiete um neue Flächen zu erweitern," sagt Larson. "Trump ist der Erste, der aktiv versucht hat, das Gegenteil zu tun. So etwas hat es bisher noch nie gegeben."

Im Juni gab Trump 1,3 Millionen Quadratkilometer (500.000 Quadratmeilen) geschützter Gewässer im Pazifik für die kommerzielle Fischerei frei.

Die sogenannte "One Big Beautiful Bill", also die große Steuerrechtsreform des US-Präsidenten von 2025, sieht unter anderem vor, dass das Innenministerium zügig neue Pachtverträge für öffentliche Grundstücke zur Öl- und Gasförderung vergeben soll.

Zudem hat Trump eine Ausweitung der Holzproduktion gefordert. So will der US-Forest Service, eine Bundesbehörde, die riesige Waldgebiete verwaltet, in den nächsten vier bis fünf Jahren den Holzverkauf um 25 Prozent steigern.

Nicht nur die Natur verliert wenn öffentliches Land nicht mehr geschützt wird

Der Verkauf von staatlichem Land für die Ausbeutung von Bodenschätzen und andere kommerzielle Zwecke hat Auswirkungen, die weit über ein einzelnes Ökosystem hinausreichen.

Kaynak: dw.com

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